Der Heilige Geist verfolgt uns

Prunkwagen auf dem Festumzug zum „XIV Grandes Festas Divino Espirito Santo“, dessen kristallenen Wert wir nicht ermessen können. Unsere Nachbarn am Rande des Festumzuges, Radio- und Fernsehreporter und auch die anwesende Geistlichkeit waren jedenfalls hin und weg.

Kaum in Ponta Delgada auf Sao Miguel eingetroffen sind wir schon wieder dem Heiligen Geist begegnet. Nein, wir sind nicht auf unsere alten Tage fromm geworden. Nein, wir sind auch nicht unter die Schnorrer gegangen. Aber wie es der Zufall so will (oder ist es doch eine göttliche Fügung?) sind wir erneut mitten in ein Heilig-Geist-Festival geraten. Direkt vor unserer Haustür, also vor Florentines Liegeplatz, spielten sich in den vergangenen Tagen die „XIV Grandes Festas Divino Espirito Santo“ (frei übersetzt: Die 14. Heilig-Geist-Festspiele) ab – und wir also mittendrin.

Zur Erinnerung (s. unser Ahoi aus Flores): Die Verehrung des Heiligen Geistes steht auf den Azoren für das Teilen der Reichen und Mächtigen mit den Armen und Bedürftigen. Die Heilig-Geist-Feste verdanken ihre Entstehung der Heiligen Königin Isabell (1270 -1336) und den Franziskanern, die die Nächstenliebe predigten. Sie finden seit dem Mittelalter auf den Azoreninseln zu unterschiedlichen Zeiten und in verschiedenen Ausdrucksformen statt. Allen Festen gemein ist jedoch die Krönung des Kaisers – oder heute auch gerne der Kaiserin (eine/r muss die Party ja schließlich bezahlen) – und das gemeinsame Mahl, mit dem man früher seine Solidarität mit den Ärmsten ausdrückte. Einfach ausgedrückt: Bei geschickter Reiseplanung kann man sich auf den Azoreninseln im Sommer kostenlos durchfuttern.

Alles, was Arme und Beine hat, ist beim Heilig-Geist-Festival in Ponta Delgada auf Sao Miguel mit Leidenschaft unterwegs …

… mit Anmut und Wohlklang …

… hübsch ausstaffiert …

… bis ins kleinste Detail dekoriert …

… mit dem Pferdewagen …

… stolz und hoch zu Ross …

… floral angehübscht …

…  oder lässig bekutscht.

Auf Flores wurden wir im Heilig-Geist-Haus mit einem rustikalen Drei-Gänge-Menü überrascht, hier in Ponta Delgada müssen wir uns nur an die Straße stellen und den Mund aufsperren. Alles Weitere ergibt  sich im Laufe eines großen Festumzugs mit viel Musik und Folklore  automatisch. Also, wir Florentiner wurden ohne besonderen körperlichen Einsatz am Straßenrand mit süßem Brot, gequollenem Mais, Keksen und Bohnensuppe versorgt. Dazu gab es Wein, Sangria und Bier. Die Limo haben wir verweigert. Kurzum: Das  Abendessen haben wir nach dem Besuch des Festumzuges – einer Mischung aus Prozession, Ethno-Parade und Karneval –  ausfallen lassen. Das war am Samstag.

Der Festumzug hat eine folkloristische Komponente mit Tanz …

… und Mottowagen wie wir ihn vom rheinischen Karneval her kennen.

Die Taube als Symbol des Hl. Geistes

Einer der Verpflegungswagen

Waschfrauen bei der Arbeit

So etwas trug man wohl früher auf den Azoren.

Erinnerung an die Tradition des Walfangs. Heute fahren von Ponta Delgada täglich Boote zum Whale Watching auf die See hinaus.

Mottowagen der Bäckerinnung mit Kostproben für die Zuschauer am Rande des Festumzugs

Das Fernsehen der Azoren berichtet täglich mehrere Stunden live von den Festivitäten. Hier ein Blick in die Regie.

Auch auf den Azoren pflegen Peters Kollegen wie in Deutschland modisch das Understatement.

Mottowagen zur Maisernte

Die Krone gilt auf den Azoren als Symbol des Heiligen Geistes.

Szene aus dem Orangenhain

Azoreanerin in Landestracht?

Einen Tag zuvor, am Freitag, hätten wir nach Öffnung des Heilig-Geist-Schreines auch noch die „Sweet Bread Competition“ besuchen können. Haben wir aber nicht. Dort hätten wir uns durch Berge von süßem Brot durchfuttern können. Süßes Brot und Milch für alle standen auch am Sonntag auf dem Speisezettel, bevor sich die Prozession der frisch gekrönten Häupter, der Kaiserinnen und Kaiser aus allen Stadtteilen Ponta Delgadas, unter Begleitung zahlreicher Musikkapellen und Gesangsgruppen im Tempo einer sizilianischen Trauergemeinde im Wiegeschritt in Bewegung setzte.

Prozession am Schlusstag des Heilig-Geist-Festivals …

… mit Delegationen und Devotionalien aus allen Kirchengemeinden Ponta Delgadas.

Höchste Ehre: Ich habe die Fahne des Heiligen Geistes geküsst!!!!

Nicht nur wir Florentiner, auch Ponta Delgadas Bürgermeister Jose Manuel Bolieiro (hier mit Krone, als er uns am Wegesrand wieder erkennt) war an allen Festtagen mit von der Partie.

Das musikalische Rahmenprogramm des viertägigen Heilig-Geist-Festivals haben wir satt und zufrieden abends in Florentines Cockpit genossen bzw. verschlafen. Die Top-Acts des Festivals, wie das Konzert der „Filarmonica Nossa Senhora des Neves“, Die „Brumas da Terra“ und die „Haju Saude Band“ beginnen jeweils um 22 Uhr. Um diese Zeit fallen gottesfürchtige Florentiner bereits in den Schlaf. Sailor’s midnight ist bekanntlich um 21 Uhr.

Musik spielt eine große Rolle beim Heilig-Geist-Festival …

… bei der Prozession im Wiegeschritt eines Trauermarsches …

… andächtig in Form eines kleinen Choralchores …

… oder voller Lebensfreude.

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