Eine Reise durch Himmel und Hölle

Mitten in Furnas brodelt’s, stinkt’s und qualmt’s aus allen Löchern.

„Die  Azoren gehören weltweit aktuell zu den zehn besten Reisezielen, die man gesehen haben muss“, behauptet der Lonely Planet, die Bibel aller Globetrotter. Eine kühne Behauptung, der wir bislang aber nicht widersprechen wollen – ausgenommen in einem Punkt: Wer einen piekfeinen Sandstrand mit allen üblichen Urlaubsattributen wie Sonnenschirm- und Jetski-Verleih sucht, wird auf den Azoren eine Riesenenttäuschung erleben.

Sao Miguel Westküste 06

Strand in Ponta dos Mosteiros

Sao Miguel Vulkan Furnas 16

Dies ist der absolut schönste Strand, den wie in Ribeira Quente entdeckt haben.

Gemeinsam mit unseren Segelfreunden von der Freedom, Sabrina und Hermann aus Ingolstadt, haben wir ein paar Tage lang die größte Azoreninsel Sao Miguel per Leihwagen erkundet und sind begeistert. Auch wenn es jetzt schon die fünfte Azoreninsel ist, der wir einen Besuch abstatten, können wir uns an der Blütenpracht und der Palette der -zig verschiedenen Grüntöne einfach nicht sattsehen.

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Die Nordküste von Sao Miguel

 

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Die Westküste von Sao Miguel

Sao Miguel Lagoa de Santiago

Der Lagoa de Santiago

Zu einem der fantastischen Grüntöne gibt es eine wunderbare Geschichte. Hoch in den Bergen, in der Nähe des Örtchens Sete Cidades, gibt es zwei Seen in umittelbarer Nachbarschaft, die nur durch eine Brücke voneinander getrennt sind: Den Lagoa Azul und den Lagoa Verde (den blauen und den grünen See). Über die Entstehung der Seen rankt eine romantische Sage um eine Prinzessin und einen Hirten, deren Liebe zueinander unerfüllt bleiben musste. Bei ihrem Abschied weinten sie so viele Tränen, dass sich zwei Seen bildeten. Der eine war blau, weil die Augen der Prinzessin blau waren, der andere grün wegen der grünen Augen des Hirten.

Die beiden Tränen-Seen liegen inmitten eines riesigen Vulkankraters den man umwandern kann, wenn man so gut zu Fuß ist, wie unsere beiden Reisebegleiter Hermann und Sabrina. Während die beiden ihre 18 Streckenkilometer und etliche Höhenmeter auf dem Kraterrand absolvierten, erkundeten wir Florentiner die West- und die Nordküste von Sao Miguel mit einigen spektakulären  Ausblicken.

 

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Dorf an der Nordküste von Sao Miguel

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Westküste von Sao Miguel

 

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Die Nordküste von Sao Miguel

Nach unserem Ausflug in die himmlische Bergwelt, die uns zum Teil in Regionen jenseits der Wolkengrenze führte, fuhren wir einen Tag später in eine Region voller Rauch und Schwefel. Wenn es eine Hölle gibt, muss sie so wie die Gegend um Furnas riechen. Aber zugegeben: „Scho schee ist sie scho“, diese Hölle – um es mal in der Sprache der süddeutschen Bergvölker auszudrücken, die immerhin drei Teilnehmer unserer vierköpfigen Reisegruppe stellen.

Hier sprudelt kochendes Wasser an die Oberfläche.

Ein wenig unheimlich, …

… aber auch unheimlich schön in trockenem Zustand.

Auch die Freunde exotischer Kulinarik kommen in der Schwefel-Hölle nicht zu kurz. Restaurants verbuddeln ihre Eintöpfe in der Erde und lassen die Speisen energiesparend in der heißen Vulkanerde garen. Eine andere Energiesparmethode dient der Zubereitung von gedünsteten Maiskolben.

Rezept für Maiskolben an Vulkanschwefel: Man gebe die rohen Maiskolben in einen Sack und werfe diesen für einige Minuten in eine sprudelnde Schwefelquelle. Vorsicht: nicht verbrennen!

Am besten schmecken die noch vulkanwarmen Maiskolben direkt aus der Hand, verrät Kathrin nach einem Selbstversuch.

Restaurantbesitzer ziehen ihre Eintöpfe aus dem Backofen im Vulkanboden.

Den vulkanischen Schwefelquellen wird allgemein eine heilende Wirkung zugeschrieben. Und da es auf Sao Miguel an diversen Orten das schwefelhaltige Wasser stinkend und qualmend an die Oberfläche tritt, gibt es eine Reihe von Caldeiras (Schwefelbäder) auf der Insel, in denen man abtauchen kann. Wir haben eine Reihe von ihnen besucht, aber nirgendwo sind wir schließlich eingetaucht.

Mal war es zu teuer und zu exklusiv (wie hier im Botanischen Garten von Furnas) …

… mal war es uns zu steril (wie hier in der Ölsardinenbüchse von Ponta da Ferraia) …

… und mal gab es einfach keinen Platz mehr für uns (wie hier in der Caldeira Velha bei Ribeira Grande).

Die Freedom-Crew Sabrina und Hermann aus Ingolstadt mit Kathrin in der Mitte

Die Botanik rund um die Caldeira Velha gleicht einem Regenwald

Ribeira Grande ist eine wunderschöne Stadt an der Nordküste Sao Miguels. Wie alle Ortschaften auf den Azoren wird auch das Stadtbild von Ribeira Grande von vielen Kirchen geprägt.

Eine der schönsten ist die Kirche Nossa Senhora da Estrella, die über den Dächern der Stadt errichtet wurde.

Nicht die schönste aber eine der kommunikativsten Kirchen ist Nossa Senhora da Conceicao. Dort versammeln sich bei Regenwetter die Frauen zum laut vernehmlichen Ratsch in den Kirchenbänken (auch ohne ausreichende Portugiesisch-Kenntnisse war uns allen Vieren klar, dass es bei den Gesprächen nicht um einen theologischen Gedankenaustausch ging).

Fast überall auf den Azoren finden sich kunstvolle Pflastermosaiken, wie hier z. B. in Ribiera Grande.

Sao Miguel Ribeira Grande 13

Der Jardim do Paraiso (Paradiesgarten) im Zentrum von Rbiera Grande

Eine Stippvisite durften wir auf unserer Erkundung von Sao Miguel auf keinen Fall verpassen: Den Besuch einer Teeplantage. Wir hatten davon in einem Reiseführer gelesen. Bislang hatten wir den Teeanbau eher in asiatischen Hochebenen verortet.  Sao Miguel Teefabrik Gorreana 17

Bis zu 90 Jahre alt sind die heckenartigen Teepflanzen von denen jeweils nur die ganz frischen oberen Blätter mit einer Kombination aus Heckenschere und Laubsauger geerntet werden.

Die Teefabrik Cha Gorreana wurde im Jahr 1883 gegründet, und aus den Gründungsjahren von damals scheinen einige der Maschinen zur Trocknung und Fermentierung noch bis heute im Einsatz zu sein.

Einzige Neuanschaffung ist diese Teebeutel-Abfüllmaschine.

Der zur abschließenden Verkostung ausgeschenkte Tee, war aber definitiv nicht mit diesen Teebeuteln zubereitet worden, sondern ein Aufguss erlesener Orange Pekoe Blätter, der höchsten Teequalität – wie wir gelernt haben.

In ein paar Stunden setzen wir unsere Azorenreise fort zur Insel Santa Maria. Vielleicht treffen wir dort wieder auf die Yacht „Blew Beyond“. Ihre Ein- und Auslaufmusik ist kaum zu überhören und lässt keine Frage offen über die nationale Herkunft von Crew und Schiff.

Dudelsackpfeifer auf der Yacht „Blew Beyond“

Doch auch auf den Azoren ist nicht alles paradiesisch, z. B.

Eigenheime im neo-azoreanischen Stil

Seltsame Verbote

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