Wieder zuhause an Bord

 

Das Anaga-Gebirge im Norden Teneriffas

 

8 Wochen, 56 Tage in Deutschland liegen hinter uns, Arztbesuche, Operationen und vor allem unsere Familien und Freunde. Es war wunderschön, Euch alle nach immerhin 16 Monaten wieder zu sehen! Wir haben beide Schnippeleien gut überstanden, Peter an den Zähnen, Kathrin an der Hüfte und beide endlich mal wieder beim Friseur. Ein ganz besonderer Dank geht an unsere Freundin und Physiotherapeutin Melanie, die Kathrin so gut wieder fit für Florentine und ihre Reling gemacht hat

Direkt am Flughafen Teneriffa Süd gönnen wir uns einen Mietwagen für fünf Tage, um das Gepäck nicht schleppen zu müssen, einen riesigen Einkauf zu erledigen und endlich auch mal die Insel zu erkunden.

Als wir abends in Puerto Chico ankommen, erfahren wir, dass unser neues Großsegel am selben Tag morgens geliefert wurde. Da aber noch eine Zollgebühr zu entrichten war, haben die Marineros das Paket zurückgehen lassen. Und das nach der langen Odyssee, die das Segel hinter sich hatte. In Madrid hing es fest, weil noch eine internationale, offizielle Rechnung vom polnischen Hersteller benötigt wurde. Das dauerte, war aber lösbar. In Teneriffa hing es beim Zoll fest, der den Reisepass von Peter sehen wollte. Personalausweis genügte nicht, die Kanaren sind außerhalb der europäischen Zollunion. Der Reisepass lag, wo wohl? An Bord von Florentine. Glücklicherweise fiel uns ein, dass wir die Pässe vorsichtshalber auch eingescannt hatten, auch dieses Problem konnte gelöst werden. Und jetzt einfach zurückgeschickt? Das Herz sinkt uns in die Hose. Aber einer der Marineros hatte noch eine Telefonnummer des Paketdienstes in seinem Telefon eingespeichert und so kann gegen einen Aufpreis von 10 € das Paket am nächsten Morgen zugestellt werden. Puh.

Inzwischen ist das Segel ausgepackt, angeschlagen – seht selbst: es passt, knistert herrlich und ist noch so steif, dass es kaum in die Lazybags hinein passt.

Großsegel neu 1

Kathrin bei der optischen und technischen Abnahme des neuen Großsegels

Unsere Ausflüge führen uns kreuz und quer über die Insel, zunächst nach Südosten, wo wir schon mal die Lage in den nächsten Marinas sondieren. In Las Galletas, wo es uns super gut gefällt, ist leider nichts auf Dauer frei, nur von Montag bis Donnerstag könnte man bleiben, am Wochenende ist der Hafen über den ganzen Winter voll mit Charterschiffen. Schade. Also weiter nach San Miguel, eine große Marina zu Füßen eines ausgedehnten Golf- und Hotelresorts. Hier ist Platz für uns, verspricht der Hafenmeister. Leider liegt der Hafen völlig ab vom Schuss, die nächste Bushaltestelle ist ca 2 km zu Fuß bergan entfernt. Wie gut, dass Kathrin wieder geländegängig ist und wir zwei nigel nagel neue Bordfahrräder haben. Wir werden berichten, wenn wir dort angekommen sind. Erst mal gönnen wir uns aber noch eine Woche in Santa Cruz Stadt und treffen dort Jimmy Cornell und die aktuelle Atlantic Odyssey. Der Hafen summt, hier bereiten sich viele für eine Atlantiküberquerung vor.

Der nächste Ausflug führt uns in den Norden Teneriffas, ins Anaga-Gebirge. Steile Straßen und auf einmal wird es grün, eine Wohltat nach der staubigen trockenen Ostküste. Wir fahren durch Kiefernwälder und halten immer wieder an, denn nach jeder zweiten Kurve bietet sich ein neuer herrlicher Ausblick. Rennradler kommen uns entgegengesaust, die Straßen sind super ausgebaut. Leider gibt es hiervon nur ein Foto (das Beitragsbild) denn der Akku der Kamera war nicht geladen.

Als nächstes nehmen wir die Westküste mit Puerto de la Cruz und La Orotava in Angriff. La Orotava ist ein kleines Städtchen in den Bergen, das für seine bestens erhaltene historische Altstadt bekannt ist. Einfach wunderschön, wenn da nicht die vielen Touristen wären, zu denen wir ja auch zählen. Wir wagen uns gar nicht auszumalen, wie es hier in der Hochsaison in den Weihnachtsferien zugehen mag.

Die casa de los balcones, der Name ist Programm

Künstlerisch gestalteter Brunnen in einem Innenhof in Orotava

Der Eingang zum ehemaligen Hospital von Orotava

Der Innenhof der casa de los balcones

Spanier lieben Parks und Plätze.

 

Puerto de la Cruz ist fest in englischer und deutscher Hand, große Hotelhochhäuser, eine feine Strandpromenade und das schönste: ein in die Lavafelsen hinein gebautes Strandbad, gestaltet von Cesar Manrique, den wir schon auf Lanzarote kennen und schätzen gelernt haben. Wie er es schafft, mit einfachsten Mitteln unter Einbeziehung der natürlichen Gegebenheiten außergewöhnliche Architektur zu schaffen, das hat schon was.

Das Strandbad von Cesar Manrique in Puerto de la Cruz

Außerhalb das Bades sind die Wellen beeindruckend und ein Surferparadies.

Das Highlight heben wir uns zum Schluss auf,  den Teide, Teneriffas höchsten Berg mit dem Nationalpark außenherum. Wir fahren von Norden los, schrauben uns durch Lorbeer- und Pinienwälder in die Höhe. Immer wieder müssen wir schlucken, nicht nur wegen des Druckausgleichs, sondern wegen der Ausblicke und der schwindelerregenden Abhänge an der Straße.

Blick auf die Westküste…..

…..mit den Surferstränden

In der Ferne sieht man ihn schon, den Teide – mit 3718 m der höchste Berg Spaniens.

Nach etwa 90 Minuten haben wir die Baumgrenze erreicht und plötzlich wird es staubig und karg. Der Teide liegt noch in einiger Entfernung, aber wir fahren am Rande der Caldera (Krater) entlang, die 17 Kilometer Durchmesser hat. Hier oben gibt es eine der fünf weltbesten Sternwarten, da die Luft in mehr als 2000 Meter Höhe besonders klar ist und es hier oberhalb der Wolkengrenze kein Streulicht gibt.

Gesteinsschichten aus Lava und Bimsstein

Und dann stehen wir am Fuß des Teide, immerhin schon in 2400 Meter Höhe, bis ganz oben sind es aber nochmal 1300 Meter. Wir haben Glück und erwischen einen Tag, an dem kein Wölkchen in den Bergen hängt.

Der Teide

Ebene des Gisters nannte Humboldt die Steinpfanne der Caldera…..

….. „die nichts ist als ein ungeheures Sandmeer“.

Teneriffa 040

Im Nationalpark Teide ist man nicht allein unterwegs. Mietwagenkolonnen und Radfahrer teilen sich die gut ausgebaute Straße.

Der Weg hinunter führt uns ganz in den Süden, wo wir noch einen Abstecher in das kleine Piratennest Masca machen. Kathrin hat diesen Ort als Reiseleiterin herausgesucht und bereut alsbald bitterlich. Die Straße dorthin ist eine echte Prüfung für höhenängstliche Leute, schmal, steil und eigentlich eine einzige Serpentine. Natürlich kommt uns auch noch in einer Kurve ein Bus entgegen, Kathrins Deo versagt kurzfristig und Peter, der Chauffeur, erhält anschließend das goldene Lenkrad am Bande verliehen.

Die Straße der Prüfung für Kathrin

Masca selbst ist wirklich zauberhaft, wenn da nur nicht der Rückweg wäre…..

Das Piratennest Masca

Auf dem Heimweg sehen wir uns noch die Touristenhochburgen Las Americas und Los Christianos an. Schaurig! So viele Bausünden und so viele rot verbrannte Urlauber auf einem Fleck haben wir lange nicht gesehen. Unser Bedarf an Haut, Tattoos und unangemessener Kleidung ist erst mal gedeckt. Aus naheliegenden Gründen haben wir auf eine bildliche Dokumentation verzichtet.

Nachdem wir das Auto zurückgegeben haben, lösen wir zum ersten Mal seit drei Monaten wieder die Leinen von Florentine. Auf den drei Seemeilen von Puerto Chico nach Santa Cruz Stadt werden Florentine und wir ordentlich durchgeschüttelt, auch der Inhalt des Salons verteilt sich malerisch in alle Ecken. Wir hatten nicht ausreichend geräumt und gestaut, nach dem Motto „ die halbe Stunde schaffen wir doch locker mit links“. Aber in Santa Cruz Stadt liegen wir ruhig und sicher, freuen uns über einen Besuch von Kathrins Schulfreundin  Angelika und  Ehemann Wolfgang und genießen die Lage mitten in der Stadt.

Statistik: 20442 sm seit Heeg

Marina Santa Cruz, Hafengeld 15 €, Duschen Note 2

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3 Antworten zu “Wieder zuhause an Bord

  1. Super, dass Ihr wieder an Bord seid und es weitergeht. Aber es war auch schön, Euch hier in Deutschland gehabt zu haben. Lasst es Euch gut gehen (mit dem Gehen klappt es ja endlich wieder).

  2. …endlich gibt es wieder etwas von Florentine zu lesen! Und herrliche Bilder von Teneriffa… draußen typisch norddeutscher Novemberregen und uns schüttelt das Fernweh…
    Grüße von der AQUARIA-Crew
    Dorothea und Uwe

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