Stadtleben, Kultur und Begegnungen

Morgenstimmung beim Blick aus Florentines Cockpit in der Marina von Santa Cruz de Tenerife

Seglerisch ist nichts, aber auch gar nichts passiert in den vergangenen vier Wochen, ein Grund warum wir nichts geschrieben haben. Nicht eine Seemeile haben wir uns fortbewegt, festgewachsen im Stadthafen von Santa Cruz. Hier gefällt es uns so gut, dass wir beschlossen haben, über Weihnachten bis ins neue Jahr hier zu bleiben. Die Lage mitten in der Stadt hat schon was, alle Erledigungen sind zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln machbar und man bekommt alles, was das Herz begehrt. Das wiegt die geringfügig teurere Hafengebühr bei weitem auf.

Mit Frischware versorgen wir uns auf dem Markt „Nuestra Senora de Africa“, der täglich bis mittags von Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch, Käse bis zu deutschem Roggenbrot keine Wünsche offen lässt. Die Viertelstunde Fußmarsch hin und zurück betrachten wir als Workout.

Der feste Markt „Nuestra Senora de Africa“

Eingemauert in Gemüse

Shoppen und bummeln kann man wunderbar in der Altstadt von Santa Cruz, meist mit Horden von Kreuzfahrttouristen, die auf dem Weg in die Stadt alle an unserer Marina vorbei kommen. Und so passiert es eines Samstags, dass es von Land herüber schallt: Hallo Florentine! Da standen Rainer und Margit von der „Deneb“ an Land. Dieses Mal waren sie jedoch mit der Aida unterwegs. Aufmerksame Blogleser erinnern sich vielleicht noch: Mit den beiden haben wir 2015 einige Wochen zwischen Martinique und Antigua verbracht. Wir waren noch Karibik-Frischlinge und die beiden schon alte Hasen, die uns viel erzählen und zeigen konnten. Nun sind sie zurück in Deutschland, aber das Wasser lässt sie nicht los und im Rahmen einer Kanarenkreuzfahrt haben sie uns zufällig entdeckt. Die Wiedersehensfreude war groß und es gab sooo viel zu erzählen!

Ein wunderbarer Überraschungsbesuch – Margit und Rainer

in Santa Cruz

Auch die diesjährigen Teilnehmer der Atlantic Odyssey haben wir verabschiedet, Jimmy Cornell konnte sich sogar noch an unser Schiff erinnern. Und ein Pärchen, Andi und Sandra von der „Pico“, die wegen etlicher Baustellen auf ihrem Schiff den allgemeinen Abfahrtstermin nicht einhalten konnten, haben wir näher kennengelernt und einige Abende mit technischen Fachsimpeleien verbracht. Was ihre weitere Reiseroute angeht, waren wir nun die alten Karibik-Hasen und konnten den beiden eine Menge schöner Plätze empfehlen und unsere Erfahrungen mitteilen. Vor zwei Tagen haben wir den beiden dann endlich zum Abschied gewunken und „Fair Winds“ gewünscht. Wir werden ihre Reise über den Atlantik mit Spannung verfolgen.

Über die Weihnachtszeit wird es etwas ruhiger hier im Hafen. Wer über den Atlantik will, ist entweder schon weg oder mal eben über Weihnachten nach Hause geflogen. So auch unsere neueste Schiffsbekanntschaft, Volker und Cornelia von der „Hexe“, die wir auf Anhieb ins Herz geschlossen haben. Es gibt solche Treffen, da weiß man schon nach fünf Minuten: Das passt einfach! Nun hüten wir ihre blühende Orchidee über die Festtage, bis sie wiederkommen (hoffentlich machen wir nichts verkehrt) und haben ein Auge auf ihre „Hexe“.

Peters Geburtstag haben wir mit einem Ausflug nach La Laguna gefeiert, wohin die moderne und spottbillige Straßenbahn fährt. La Laguna war früher die eigentliche Hauptstadt Teneriffas, als die Küsten noch rau und piratenverseucht waren und kein Mensch mit Verstand im Fischerdorf Santa Cruz wohnen wollte. Das wahre Leben spielte sich im sicheren Landesinneren ab. Dementsprechend  ist das Stadtbild geprägt von wunderschönen Bauten aus den letzten zwei Jahrhunderten und großen prächtigen Kirchen. Da La Laguna in den Bergen auf halbem Weg an die Westküste liegt, weht hier meistes ein frischer Wind und die Temperaturen sind erträglich. Wir genießen den Stadtbummel und erholen uns bei Weißwein und Tapas, bevor wir uns wieder in die „Tramvia“ setzen. Das hatten wir vermisst, Kultur, Architektur und leckeres Essen zu bezahlbaren Preisen.

Bummeln in La Laguna

schon weihnachtlich geschmückt

prächtige Kathedralen, leider nur mit gesalzenen Eintrittspreisen zu besichtigen

Häuserfront in La Laguna

Kulturell geht es auch weiter: Peter kommt von einem Fotografie-Ausflug zum architektonisch reizvollen Auditorio mit Karten für gleich drei Konzerte zurück. Wir machen uns im Rahmen unserer Möglichkeiten landfein und hören im ersten Konzert Brahms „Zweite“ und ein Chopin-Klavierkonzert mit Nelson Freire.

Das Auditorio, Architekt: Santiago Calatrava, schiffig, wie es uns gefällt

Es glitzert in der Sonne wegen der vielen weißen Mosaiksteinchen

Auf dem Weg zum zweiten Konzertabend mit italienischer Barockmusik auf historischen Instrumenten erleben wir ein Kontrastprogramm. Auf dem Platz vor dem Auditorio probt eine Trommlertruppe wohl schon für den Karneval. Etwa fünfzig große und kleine Trommler üben den Gleichtakt und wir bleiben hängen, versäumen fast noch den Beginn unseres Konzerts, so gut hat uns die Trommelei gefallen.

Blick auf das Auditorio de Tenerife am Hafen – seit 2003 das neue Wahrzeichen von Santa Cruz

gleich nebenan gibt es ein von Cesar Manrique gestaltetes Freibad

…. mit Meerwasserpools

Gestern gab es dann das musikalische Highlight mit dem Requiem von Verdi. Wir sind begeistert vom „ Orquesta Sinfonica de Tenerife“ und dem hiesigen Opernchor. Leider wird der Konzertgenuss durch etliche bronchiale Attacken, klingelnde Handys und frühzeitige Applaudierer gestört. Ist in Spanien auch nicht anders als in Deutschland. Da wir dieses Mal überpünktlich unsere Plätze in der ersten Reihe eingenommen haben, können wir vor Konzertbeginn ausgiebige Studien über das Schuhwerk der Konzertbesucher treiben. Von lebensgefährlichen Highheels über Ballerinas, Gesundheitstreter, Flipflops, Winterstiefeln, Turnschuhen bis zu rot-gelben Lackschuhen für den Herrn ist alles vertreten. Die Outfits obenrum reichen entsprechend von ausgeleierter Jeans bis zum Nerzmantel, es ist ja Winter, auch hier, nur noch 18 Grad, da muss man sich einmummeln.

Die Fensterfront des Pausenbuffets lässt sich komplett zum Meer öffnen

so dass man den Pausen-Sekt im Freien genießen kann

Noch ein Blick auf das Schwimmbad

Hier wurden Dirigenten verewigt, wenn auch nicht ganz orthografisch korrekt

Wir lernen französische Backpacker kennen, die eine Mitsegelgelegenheit nach Südamerika suchen. Die beiden helfen uns spontan, als wir einen Großeinkauf aus dem Auto hieven – „esst ihr eigentlich auch was, oder trinkt ihr nur?“ war die Frage, als sie die Mengen an Wasser, Bier, Saft und Wein sahen, die Peter aus dem Kofferraum wuchtete. Aber wenn man schon mal ein Auto zur Verfügung hat, dann belädt man es bis ans Limit. Unsere beiden hilfsbereiten Franzosen campen am Strand, während sie auf eine Mitfahrgelegenheit warten. Low-Budget, kein Geld für ein Hotel, und das riecht man auch… Als sie am nächsten Tag fragen, ob sie wohl mal mit unserer Chipkarte für die Duschen in der Marina benutzen dürften, zögern wir nicht lange. Wir hatten beide schon tags zuvor überlegt, es ihnen anzubieten. Der Schuss geht jedoch nach hinten los: Solche Aktionen werden von den Marineros erstens beobachtet und zweitens nicht gern gesehen. Den Franzosen wird die Chipkarte umgehend  – und leider vor der dringend notwendigen Körperwäsche – weggenommen, uns zurückgebracht und wir erhalten einen Tadel. Schade, tat uns richtig leid für die beiden.

So warten wir nun hier aufs Christkind und  werden über kanarische Weihnachtsbräuche berichten. Leider allein, denn unsere Tochter Gloria, die uns samt Mann und Kind besuchen wollte, hatte bei Niki Air gebucht….. Mist! Wir hoffen dann mal auf Ostern, da wird es wohl klappen mit einem Besuch. Doch Gloria, Basti und Finn sollten nicht die einzigen Niki-Opfer auf unserer Besucherliste bleiben. Unsere österreichischen Freunde Martina und Barnie mit ihrem Sohn Victor hatten gerade erst in der vergangenen Woche ihre Niki-Tickets für den 2. März gebucht – die sie bereits 24 Stunden später wegen der überraschenden Insolvenz im Klo runterspülen konnten.

 

Statistik: 20442 sm seit Heeg

Marina Santa Cruz, Hafengeld 15 €, Duschen Note 2

 

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Eine Antwort zu “Stadtleben, Kultur und Begegnungen

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