Wer früher stirbt, ist länger tot

Der Heilige Sebastian

Der heilige Sebastian, Namenspatron der kleinen Stadt San Sebastian auf Gomera, wird hier ausgiebig gefeiert. Sein eigentlicher Namenstag ist am 20.Januar, aber schon zwei Wochen vorher beginnen die Vorbereitungen.

Der heilige Sebastian war ein Märtyrer, der wegen seines christlichen Glaubens in Rom zum Tode verurteilt und von Bogenschützen abgeschossen wurde. Im Glauben, er sei tot, ließ man ihn danach liegen. Sebastian war jedoch nicht tot, sondern wurde von einer frommen Witwe, der heiligen Irene, die ihn eigentlich für das Begräbnis vorbereiten sollte, gesundgepflegt. Nach seiner Genesung bekannte er sich weiter unbeugsam zum Christentum und wurde ein zweites Mal hingerichtet, dieses Mal wirklich tödlich. Seine Leiche warf man in die Cloaca maxima, wo sie von Christen geborgen wurde, denen dieser Ort im Traum erschienen war. Der heilige Sebastian wird gegen die Pest sowie als Schutzpatron der Brunnen angerufen, außerdem ist er der Patron der Eisenhändler, Töpfer, Gerber, Bürstenbinder, Büchsenmacher, Eisen- und Zinngießer, Steinmetze und Jäger. Soweit der Wissensexkurs von Wikipedia.

Zunächst im Abendkleid….

Hier auf La Gomera beginnt alles mit einer Art Miss-Wahl. Jedes Jahr wird die „Romera Major“ gekürt, die anschließend den Festzug anführen darf. Bikinis sucht man allerdings bei dieser Wahl vergebens, die jungen, bildhübschen Damen sind in allerlei historische Trachten gehüllt. Den Mannequin-Schritt mit ordentlich Hüftwiegen beherrschen sie allerdings schon perfekt. Umrahmt wird die Wahl mit einer szenischen Darstellung von Gomeras Geschichte und mit viel Musik, dargeboten von diversen Gitarren- und Mandolinenorchestern.

später in lokaler Tracht….

…. und in historischen Kostümen…

…die Anwärterinnen auf die Romera major geben alles

Die Geschichte der Guanchen, szenisch dargestellt

Folklore pur, mit Herzblut gespielt und getanzt

Eine Woche später findet dann der erste große Umzug statt, alle Hauptstraßen sind gesperrt, Exil-Gomeraner reisen per Fähre aus Teneriffa an und alle haben sich in Tracht geschmissen. Wein und Bier fließen vorab schon mal in Strömen und in einer kleinen Kneipe wird gesungen und getanzt. Uns beschleichen leise Erinnerungen an das Oktoberfest in München, da wirklich fast alle Einwohner verkleidet, äh in Nationaltracht sind.

Mit seinem Mehrfach-Instrument kann er auch ein Tänzchen wagen

Warm-up vor dem großen Ereignis

Der Festzug windet sich in Zeitlupe durch die Straßen, jeder Gruppe geht eine Kapelle mit Gitarren, Trommeln und Kastagnetten voran, es wird laut und inbrünstig gesungen und zwischendurch muss man die Kehlen ölen mit Wein und Bier.

Vorneweg die amtierende Romera major, flankiert von den unterlegenen Konkurrentinnen

Jedes einzelne Stadtviertel hat seine eigene Tracht und seine eigene Kapelle

Wie man einen Kleinwagen folkloristisch aufhübschen kann!

Schon bisschen erschöpft, die beiden

Stolz wie ein Spanier auf dem Trecker, der den Getränkewagen zieht.

Verpflegungswägelchen

Von Opa bis Enkel, alle trommeln mit

Und von Oma bis Enkelin schwingen alle das Tanzbein

Eine interessante Variante des Waschbretts, muss man vorher ordentlich knabbern

Die knallrote Schärpe ist für die Caballeros Pflicht

Früh übt sich….

Und noch ein Verpflegungswagen, Marschieren macht durstig

Als nach mehreren Stunden alle auf dem Hauptplatz angekommen sind, ist dort für hunderte Menschen gedeckt. Die Stadtverwaltung spendiert allen Zugteilnehmern ein warmes Mittagessen – Paella in riesigen Pfannen. Abends geht es mit Musik und Tanz weiter bis zum frühen Morgen. Wir durften akustisch leider auch bis morgens um fünf teilnehmen, da die Marina ganz in der Nähe des Festplatzes liegt.

Nach langem Marschieren, Tanzen und Singen nun das wohlverdiente Mittagessen

Auch unter der Woche gibt es Festivitäten, die das kanarische Fernsehen dokumentiert, und am 20. Januar findet dann nochmals ein Umzug statt.

Sieht aus wie eine Filmkulisse, ist aber echt.

Nach einer Messe in der großen Kirche wird die Statue des San Sebastian mit Musik durch die Straßen getragen, in einem sehr gemessenen Schritt, der an Leichenträger bei einem Beerdigungszug erinnert. Nachdem der arme Sebastian endlich wieder seine Ruhe in der kleinen uralten Kapelle finden darf, trifft sich die ganze Stadt wieder am Festplatz zum Sängerwettstreit. Ein riesiges Mandolinen- und Gitarrenorchester spielt auf und dazu wird aus dem Stegreif gesungen, in Bayern würde man wohl Gstanzl-Singen dazu sagen. Drei Damen und drei Herren treten abwechselnd ans Mikrofon und knödeln, was das Zeug hält. Leider konnten wir die Texte nicht verstehen, aber das Publikum lachte herzlich und wir ließen uns von einer spanischsprechenden Segelnachbarin erzählen, dass der Inhalt wohl ziemlich deftig sei. Wörtlich übersetzen wollte sie lieber nicht….

Sängerwettstreit oder Gomera sucht den Superstar

Gemessenen Schrittes im Trauermarsch

Sebastian sehnt sich nach Ruhe. Bis zum nächsten Jahr im Januar

Ein bisschen Erntedank ist auch dabei

Heute Morgen sind wir erst sehr spät aus den Federn gekrochen, was einerseits dem scharfen Grappa des Hauses im Lokal el Pajar geschuldet war und andererseits den bis in die frühen Morgenstunden andauernden musikalischen und tänzerischen Aktivitäten auf dem Festplatz.

Wir fühlen uns schon ganz zuhause in San Sebastian und freuen uns über endlich wärmeres Wetter. Kurz bevor Friederike über Deutschland hinwegpustete, hatten wir hier auch einen steifen Nordwind. Der beschleunigt auf seinem Weg durch einen Taleinschnitt nochmal heftig, so dass unten in San Sebastian gitftige Böen mit 9-10 Beaufort ankommen. Florentine hat im Hafen Lage geschoben und Kathrin wäre auf dem Weg zum Bäcker fast vom Steg geweht worden. Nun ist der Spuk zum Glück vorbei und wir freuen uns über Sonne satt und auf den Besuch, der in zwei Tagen ankommt.

Warm und beschaulich, mit Buch in der Hängematte, so lässt es sich aushalten

Statistik: 20615 sm seit Heeg , Reisetag 1360

San Sebastian (Gomera) 26,5 sm, Hafengeld 15 €, Duschen 2

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Eine Antwort zu “Wer früher stirbt, ist länger tot

  1. Liebe Kathrin, ich hoffe, wir erreichen Dich auf diesem Wege ?! Wir möchten Dir ganz herzlich zu Deinem runden Geburtstag gratulieren und Dir eine tolle Sause wünschen. Lass Dich ordentlich feiern! Alles Liebe, von Großelternherz zu Großelternherz! Gabi und Mirko

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