Gastahoi von Klaus-Peter über Carnaval und Insel-Idyll

Melanie und Klaus-Peter auf der spektakulären Aussichtsplattform am Mirador de Abrante

Segelurlaub mit Kathrin, Peter und Florentine bietet immer Abenteuerliches – selbst wenn man den Hafen nicht verlässt. Wind, Seegang, wenig überzeugende Standortalternativen und Melanies gemäßigte Lust auf ambitioniertes Segeln ließen uns La Gomera eine Woche lang von San Sebastian aus erkunden, per Mietwagen und zu Fuß. Das führte uns außerdem mitten hinein in den kanarischen „Carnaval“.

Der Hafen von San Sebastian de la Gomera

San Sebastian

Der Leuchtturm auf den Klippen von San Sebastian

Eigentlich halte ich es eher mit BAP die „niet für Kuchen“ zu Karneval in Köln bleiben wollten. Auf der nach oben offenen Narrenskala aber liegen die Kanaren nur knapp hinter Rio und ganz sicher weit oberhalb des Ruhrgebietes. Unseren Skipper brachte das bis fast an den Rand der Gewalttätigkeit – aber langsam, der Reihe nach.

„La Reina Infantil del Carnaval“ – die Kinderkarnevalskönigin …

… und ihre unterlegene Kandidatin

Auf Gomera nimmt der selbst der Papst am Festumzug mit einem offenen Trabbi-Cabriolet teil.

Verkleidete Fußtruppe

Gran Coso del Carnaval – der große Festumzug

Auch die jüngsten Gomeros sind mit einem eigenen Karnevalswagen auf dem Festumzug vertreten.

Mottowagen beim diesjährigen Carnaval auf La Gomera: „Viva Mexico“

La Gomera ist einfach großartig und ein Wiedersehen mit Kathrin und Peter ohnehin. Vom Fähranleger nach leicht ruppiger Überfahrt  waren es nur wenige Schritte zum Yachthafen und von dort in den nächsten Tagen nur wenige Kilometer zu eindrucksvoll vielfältiger Landschaft. Der zum Naturschutzgebiet erklärte Lorbeerwald im Inneren, dessen Grün sich aus der Feuchtigkeit des fast immer vorhandenen Nebels der Passatwolken speist, ist jede Wandertour wert. Felsige Berge und tiefe Einschnitte haben nicht nur den Hippies früherer Jahrzehnte Unterkünfte geboten, sie bieten den Rahmen für ein dichtes Netz von Wanderwegen, von denen Melanie und ich nur wenige erkundet haben.

Kurvenreich winden sich die Straßen an den Hängen Gomeras entlang.

Unsere Freundin Melanie ist eine begeisterte Bergwanderin.

Palmenhain

Blick auf den Strand von Hermigua

Blick in das Tal des großen Königs, das Valle Gran Rey

Barranco de los Cocos – die Schlucht der Kokospalmen

Kleiner Fluss im Barranco de los Cocos, im Süden von La Gomera

Im Regenwald werden die Passatwolken „gemolken“ und das gewonnene Wasser fließt in urigen Bachläufen zu Tal.

Mitten im Regenwald bei El Cedro befindet sich eine kleine Kapelle, die Ermita de Lourdes.

Die Bäume im Regenwald sind über und über mit Moosen und Flechten bewachsen.

Auf der den Passatwinden abgeneigten Leeseite im Westen Gomeras ist die Landschaft karg.

Spaziergang am schwarzen Lavastrand von Valle Gran Rey

Metallplastik des bekannten kanarischen Künstlers Cesar Manrique

Blick hinab in das Valle Gran Rey

Berge und Meer

Das Wasser aus Passatwolken kondensiert an den Blättern und Zweigen und sorgt für eine Art Dauerregen.

Erste Frühjahrsboten auf Gomera

Unten im Tal hat es 20 Grad und Sonne. Oben in den Bergen schütteln sich Melanie und Peter bei 5,5 Grad in den Passatwolken auf einem stürmischen Grat.

Blick nach Teneriffa auf den verschneiten Teide

Aus den Hippies sind Residenten geworden und mit denen plus Touristenströmen wurde Gomera so deutsch wie Malle. Ob man hier Olla oder Hallo sagt kommt aufs Gleiche raus. Die Trefferquote Unbekannten gegenüber ist gefühlt identisch. Es gibt die kanarische Wochenzeitung auf deutsch und seit 25 Jahren den „Valle Boten“ auf Gomera. Die Anzeigen verraten, wie viele Deutsche hier mit Gewerben von Arzt bis Anstreicher, von Lichtheiler bis sexuellen Dienstleisterin zu leben versuchen. Nicht unbedingt diese Branchen, längere Verweilzeit auf Gomera aber reizt sehr.

Der Marktplatz von Vallehermosa

Kathrin am Strand von Vallehermosa.

Den Carnaval aber haben nicht etwa Rheinländer exportiert. Der ist hier karibisch bis südamerikanisch. Jeder Tag hat sein Motto. Der „Tag des weißen Pulvers“ hat nicht in erster Linie mit Drogen zu tun, sondern mit Talkum, das in Massen über jeden und alles geworfen wird. Die weiße Kostümierung veralbert jene Landsleute früherer Zeiten, die nach Auswanderung wohlhabend im Kolonialstil heimkehrten.

Ganz in weiß feiern die Gomeros den „dia de los polvos Talco“, den Tag des Talkumpuders.

Der „dia de los polvos Talco“ erinnert an die Kolonialzeit, in der viele Gomeros ihr Glück in den Neuen Welt auf Kuba gesucht haben.

Weiße Talkumschwaden und der Geruch von frischem Babypopo schweben in der Luft.

Teilnehmerin in Talkumschwaden am „dia de los polvos Talco“

Unsere Freundin Melanie kurz vor einer Talkumdusche durch eine liebenswerte Gomera

Jeder Tag wird begleitet von bunten Kostümen, viel Alkohol, fettigem Gebäck und krachender Musik. Das Festzelt von San Sebastian steht direkt am Hafen, eine rollende Cantina mit gefühlt gigantischen Bassboxen noch direkter. Und diese Boxen waren exakt auf die Florentine ausgerichtet. Die zweite Nacht ohne Schlaf ließ den Kaleu aufspringen und in die Werkzeugschublade greifen. Dem Besitzer der Cantina präsentierte er wenig später einen Seitenschneider, um auf diese Weise die freundliche Bitte um Reduzierung der Lautstärke zu unterstreichen. Zum Glück besänftigten zwei einheimische, Joints rauchende junge Damen beide Seiten und so entschied sich Peter doch für ein paar versöhnte Tanzschritte. Die Musik blieb wie sie war und Schlafen blieb ohne Ohrstöpsel schwierig.

Immerhin folgten ein paar Tage mit ruhigerem Programm. Das wird sich an dem Tag ändern, an dem die Sardine beerdigt wird. Das aber ist eine andere Geschichte, die vielleicht Jochen erzählen wird, an den wir das Gästezimmer der Florentine weitergeben. Wir freuen uns auf das nächste Treffen, irgendwo auf den Weltmeeren.

Unser Freund und Gastautor Klaus-Peter mit seiner Frau Melanie

Von Klaus-Peter Wolter

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