Wir haben Anette auf die Palme gebracht

Wir haben Anette auf die Palme gebracht – in den Jameos de Agua

Unsere Freundin Anette, mit der wir in unserem früheren Seglerleben schon etliche Chartertörns im Mittelmeer verbracht haben, will dem drohenden runden Geburtstag in Deutschland entfliehen und ganz beschaulich nur mit uns beiden feiern. Keine schlechte Idee. Wir freuen uns riesig, sie an Bord zu haben, wissen wir doch, wie gut und harmonisch das Zusammenleben mit ihr an Bord klappt.

Einige ihrer früheren Aufgaben muss sie jedoch aufgeben: Anette hat sich auf den Charterbooten immer um das leibliche Wohl der Mannschaft gekümmert, dabei vor allem um den Kühlschrank. Da Charterboote meist nur unzureichend mit Batteriekapazitäten ausgestattet sind, hat Anette den Kühlschrank bei Motorfahrten an- und beim Segeln wieder abgeschaltet, und das zuverlässig. Motor an – Kühlschrank an, Motor aus – Kühlschrank aus. Außerdem hat sie im Hafen nach dem ersten Anlegerschluck sofort nach großen Mengen Eis gesucht, um die Leckereien, die sie uns anschließend servierte, kühl zu halten. Bei Kathrins Söhnen hat sie seitdem den Spitznamen „Schnittchen-Anette“.

Das ist auf Florentine nicht notwendig, energietechnisch sind wir mit Windgenerator und Solarmodulen autark. Und auch in die Pantry durfte Anette nur selten, schließlich wollten wir sie rundum verwöhnen.

Segeln stand auch auf dem Programm, der Wetterbericht versprach zunächst moderaten Wind aus Nordost. Der erste Schlag führte uns mit sportlichem Am-Wind-Kurs an einem Nachmittag nach Arrecife, in die Marina, von der wir vor knapp vier Jahren über den Atlantik gestartet sind. So haben wir jetzt unser Kielwasser gekreuzt und die Atlantikrunde vollendet. Am nächsten Tag brachen wir früh aus der windigen Ecke der Marina Arrecife auf, um die 26 Seemeilen nach La Graciosa in Angriff zu nehmen. Da der Wind genau gegenan stand und wir keine große Lust auf Aufkreuzen hatten, musste die Nanni ran. Natürlich hatten wir wieder mal etwa zwei Windstärken mehr als vorhergesagt, und so bolzten wir uns bis an das Nordende Lanzarotes vorwärts. Peter hatte am Vorabend noch per E-Mail einen Liegeplatz in der Marina in La Graciosa reserviert. Als wir die Marina – die halb leer war – anfunkten, wusste niemand etwas von der Reservierung. Weil Sonntag war, war der Hafenmeister nicht anwesend. Der Security-Mann hatte aber einen gnädigen Tag und wies uns einen der zahlreichen leeren Liegeplätze an. Wir hatten Glück, tags darauf wurde ein Boot abgewiesen, obwohl reichlich Platz war.

Der Strand in La Graciosa – klingelleer

Das Örtchen auf La Graciosa ist schnell erkundet, eine Hand voll Kneipen, zwei Supermärkte, ein Bäcker. Uns fasziniert nach wie vor die Atmosphäre einer ausgestorbenen Westernstadt mit staubigen Sandpisten, man hat unwillkürlich die Klänge der Filmmusik zu „Spiel mir das Lied vom Tod“ im Ohr. Mit in der Sonne liegen und Baden wurde es leider nichts, der Wind pfiff uns kalt um die Ohren und wir verkrochen uns unter der schützenden Sprayhood. Nach vier Tagen ließ der Wind endlich etwas nach und wir setzten nur das Vorsegel und ließen uns in einem Rutsch wieder zurück nach Puerto Calero blasen.

High Noon in La Graciosa: Spiel mir das Lied vom Tod

La Graciosa

La Graciosa und im Hintergrund die nördliche Steilküste von Lanzarote

Erst mal waren wir genug durchgepustet und hatten Lust auf Sightseeing. Mit dem Mietwagen erkundeten wir als mittlerweile erfahrene Lanzarote-Reiseführer die Sehenswürdigkeiten der Insel, Feuerberge, grüne Höhle, Manrique von vorne bis hinten, Famara, die Salinas de Janubio, das Fischerdorf el Golfo, Arrecife, Teguise.

In den Jameos de Agua gibt es auch eine naturwissenschaftliche Ausstellung mit optischen Phänomenen.

Der See der blinden Albinokrebse in der Jameos de Agua

Geysir-Vorführung in den Feuerbergen

Hähnchenschenkel über vulkanischer Hitze gegrillt

Die vulkanischen Feuerberge faszinieren uns immer wieder neu.

Cesar Manrique hat die Lava ins Haus geholt – oder umgedreht?

Lavalandschaft in den Feuerbergen

Viel Spaß hatten wir in der Bodega „La Querencia“, einer kleinen Weinkelterei, wo die Trauben aus den schwarzen Lavatrichtern von Hand geerntet und danach noch traditionell mit den Füßen gestampft werden. Das wollen wir uns im September bestimmt genauer ansehen. Der Wein wird direkt vom Fass gezapft, dazu gibt es Tapas aus eigenem Anbau, wunderbar aromatische Tomaten, selbstgemachten Ziegenkäse und Ropa Vieja, ein kanarischer Kichererbseneintopf. Die Flaschen Weißwein, die wir zum Mitnehmen erstanden, durften wir selbst verkorken.

Weinprobe in der Bodega la Querencia

Zwischendrin feierten wir unsere Jubilarin ausgiebig, und am Ende der zweiten Woche wollten wir es noch mal wissen. Wenig Wind aus Nordwest in der Wettervorhersage – wir segelten nach Los Lobos, eine Insel, die in der Meerenge zwischen Lanzarote und Fuerteventura liegt. Dort soll man nach Aussagen vieler Segelfreunde wunderbar und geschützt ankern können und hoffentlich auch baden.

Ein schöner Halbwindkurs brachte uns in Rauschefahrt mit über 6 kn Speed rasch in die Nähe von Los Lobos, nur nahm der Wind kontinuierlich zu und zwischen Los Lobos und Fuerteventura, wo der geschützte Ankerplatz liegen sollte, blies es uns mit 25 Knoten um die Ohren. Ankern bei dem Wind? Kann man machen – aber nur wenn man muss. Also kehrt Marsch zurück nach Lanzarote und die Nase in die Bucht der Papagayo-Strände gesteckt. Die war flächendeckend mit Schaumkrönchen garniert, also auch keine Option für einen lauschigen Abend vor Anker. Der Heimweg nach Puerto Calero war rasch angetreten, aber einen wunderbaren Segeltag hatten wir schon.

Sonnenuntergangs-Tapas in dem ehemaligen Fischerdorf El Golfo

Schmeichelndes Licht für ältere Damen …

… und ein Wahnsinns-Sonnenuntergang

Am 10. Juni ging Anettes Urlaub zu Ende und zwei Tage später traten auch wir die Heimreise nach München an, wo wir vier Wochen verbringen werden, inklusive einem Abstecher in den Kohlenpott. Danach wartet schon wieder der nächste Besuch an Bord auf uns, aber das ist eine neue Geschichte….

 

Statistik: 21041 sm seit Heeg , Reisetag 1485

Puerto Calero, Lanzarote,-Arrecife 10 sm, Hafengeld 12,50 € Duschen Note 3

Arrecife – la Graciosa 25 sm, Hafengeld 11 €, Duschen Note 5

La Graciosa – Puerto Calero 35 sm

Puerto Calero – los Lobos und zurück 26 sm

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