Kein Fuß an Land

 

Die Bettenburgen vom deutsch geprägten Morro Jable in Fuerteventura

Lange war es still auf dem Blog und auf der Florentine. Fünf Wochen haben wir nach der Abreise unserer Familie in Ruhe in Puerto Calero verbracht, unterbrochen nur durch Einkaufs-Ausflüge mit dem Bus ins benachbarte Puerto del Carmen. Nachdem unsere gebuchte Zeit in Puerto Calero zu Ende geht, ist es Zeit ans Weiterreisen zu denken. Wir versuchen, eine Reservierung für Puerto Mogan auf Gran Canaria zu bekommen, das ist allerdings nicht so einfach. E-Mails werden nicht oder zögerlich beantwortet, telefonisch bekommen wir nur die Auskunft, dass wir nicht im Vorhinein für einen langen Zeitraum reservieren können. Man werde uns kontaktieren… was nicht geschieht. Ein erneuter Anruf geht wieder ins Leere, jetzt ist Teresa, die zuständige Dame, in Urlaub. Wir beschließen, auf gut Glück dort einzulaufen, mehr als wegschicken können sie uns ja nicht.

Eigentlich wollten wir noch gemütlich zwei oder drei Wochen an der Küste von Fuerteventura entlang bummeln, aber als Peter vor der Abreise nochmal die etwas schwergängige Ruderanlage kontrolliert, findet er Salzwasser in der hinteren Bilge. Es tritt durch den Schaft ein, an dem das Ruder befestigt ist. Nicht viel, aber täglich etwa ein Wasserglas voll. Also beschließen wir, zügig Richtung Gran Canaria zu fahren und dort jemanden zu finden, der die Reparatur machen kann.

Am Dienstag, 11.9., starten wir erst mal nach Los Lobos, eine kleine Insel zwischen Fuerteventura und Lanzarote. Dieses Mal klappt es mit dem Ankern, das Wetter ist bombig und wir sind nicht alleine. Tagsüber herrscht reger Ausflugsverkehr, erst abends wird es ruhiger. Das Wasser ist super klar und dank des sandigen Untergrundes karibisch türkis.

Am nächsten Morgen gehen wir ankerauf und motoren an der langen sandigen Küste Fuerteventuras entlang. Riesige Sandstrände mit riesigen Hotelburgen erheben sich aus dem sandigen Dunst.

Im Norden Fuerteventuras liegt Corralejo, englisch geprägte Bettenburgen

Es herrscht mal wieder Kalima, der warme Wüstenwind aus der Sahara, der Florentine mit einer rotbraunen Staubschicht überzieht. Als wir die Nase in den Hafen der Hauptstadt Puerto Rosario hineinstecken, gefällt es uns überhaupt nicht. Außerdem ist man hier – ebenso wie in fast allen anderen staatlichen Häfen der Insel – gar nicht auf durchreisende Yachten eingestellt. Wir fahren weiter. Der Versuch, in der einzigen privaten Marina Fuerteventuras, im Puertol Castillo, über Funk und telefonisch einen Platz zu ergattern, scheitert. Also weiter nach Gran Tarajal. Ein staatlicher Hafen mit einigen Dauerliegern aus aller Herren Länder. Die Hafengebühr ist extrem niedrig. Ansonsten hat der Hafen nichts zu bieten, nicht einmal die Möglichkeit, ein Auto zu mieten. Die Besatzung eines polnischen Bootes feiert lautstark bis tief in die Nacht. Als wir morgens die Leinen lösen, wehen uns die Gerüche eines Katerfrühstücks um die Nase.

Der Hafen von Gran Tarrajal

Im nächsten Hafen, Morro de Jable, gibt es laut Hafenhandbuch keine Duschen, kein Wasser und keinen Strom. Also ankern wir erst mal nachmittags vor dem Strand, ein bisschen schaukelig, aber sicher.

 

Strand von Morr Jable

Am nächsten Morgen möchte Peter sich in den Hafen verholen, dort für eine Nacht bleiben und ein Auto mieten. Zunächst hat sich der Anker an einem großen Rohr verkeilt und verknäult, erst nachdem wir einige Schleifen gefahren sind, kommt er frei. Im Hafen  dauert es lange, bis überhaupt jemand auf unsere Funkrufe reagiert und noch länger, bis sich ein Marinero an die Pier bemüht. Wir bekommen einen Platz an einem abgelegenen Steg in der hintersten Ecke des Hafens zugewiesen, mit vergammelten Mooringleinen. Als wir dorthin motoren, sehen, wir etliche Boote schräg wie ein Schluck Wasser in der Kurve am Steg hängen. Alles nicht  besonders vertrauenserweckend. Außerdem müssten wir erst mal das Dinghi abnehmen, um uns rückwärts an den Steg zu manövrieren. Alles nicht sehr einladend, wir fahren wieder raus und ankern in der Bucht vor dem Hafen. So haben wir in Fuerteventura keinen Fuß an Land gesetzt.

Im Hafen von Morro Jable wollen wir nicht bleiben

Der Wetterbericht verspricht für den nächsten Tag guten Wind, um die Überfahrt nach Gran Canaria in Angriff zu nehmen. Bis Puerto Mogan sind es etwa 90 Seemeilen, wir planen eine Fahrt über Nacht. Da es abends in der Düse zwischen den Inseln windiger werden soll, starten wir früh, um 10 Uhr. Wir segeln wunderbar mit halbem Wind und offenbar auch mit Schiebestrom, denn wir sind viel zu schnell. Bei diesem Tempo kämen wir mitten in der Nacht in Puerto Mogan an. Dann greift halt Plan B: Wir werden  irgendwo Anker werfen und bis zum Tagesanbruch abwarten. Der Wind nimmt unterdessen stetig zu, wir binden das zweite Reff ins Großsegel, die Fock ist nur noch ein Handtuch. Die Acceleration Zone hat uns mal wieder im Griff. Zwei Stunden dauert der Spuk mit 30 Knoten Wind, eine Leine der Lazybags reißt. Die Logge steigt immer wieder über acht Knoten. Als wir in der Dämmerung die Südspitze Gran Canarias runden, legt jemand den Schalter um und der Wind ist von einer Minute auf die andere weg. Wir motoren noch zwei Stunden weiter bis Pasito Blanco und tasten uns in die Bucht vor dem Hafen. Beim Näherkommen sehen wir auch schon mehrere andere Ankerlieger. Um 22:30 fällt der Anker auf 6 Meter Wassertiefe und wir fallen nach dem Aufklaren, einer Nudelsuppe und einem Ankommerbier ins Bett.

Heute morgen sehen wir uns erst mal bei Tageslicht an, wo wir gelandet sind. Hübsch hier und deutlich mehr Boote vor Anker, als in der Dunkelheit gestern sichtbar. Nicht alle hatten ein Ankerlicht an….

 

Statistik: 21375 sm seit Heeg , Reisetag 1536

Puerto Calero – Los Lobos (Fuerteventura) 14 sm, Anker

Los Lobos  – Gran Tarrajal, 38,6 sm, Hafengeld 11 €

Gran Tarrajal – Morro de Jable, 21 sm, Anker

Morro de Jable – Pasito Blanco (Gran Canaria), 71 sm, Anker

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