Begegnungen und Reparaturen

Puerto Mogan 08

Klein-Venedig der Kanaren? So wird Puerto Mogan gerne in Prospekten und Reiseführern beschrieben. Von diesen Verbindungskanälen zwischen dem Fischerei- und dem Sportbootbecken gibt es ganze zwei.

Eigentlich schreiben wir nur Ahois, wenn etwas los ist. In den letzten Wochen war eigentlich nix los. Eigentlich….dann aber doch.

Das Ergattern eines Liegeplatzes in Puerto Mogan im Südwesten Gran Canarias war letztlich ganz einfach, nachdem wir uns wochenlang zuvor per E-Mail und Telefon vergeblich um einen Liegeplatz bemüht hatten: Wir sind hingefahren und haben eine Meile vor dem Hafen gefunkt, wir wären jetzt mal da. Und schwupps hatten wir einen Platz. Erstmal für eine Woche, dann für vier Wochen und schlussendlich dürfen wir bleiben, bis die ARC (Atlantic Ralley for Cruisers) sich aus Las Palmas wegbewegt hat.

Puerto Mogan 01

Künstlich, aber schön: Puerto Mogan ist kein gewachsener Ort auf Gran Canaria, sondern wurde in den 1980er Jahren als Urlaubsdomizil errichtet.

Puerto Mogan 14

Einfahrt zur Marina von Puerto Mogan

Puerto Mogan 05

Hübsche kleine Gasse zwischen den Appartmenthäusern, die rund um den Hafen errichtet wurden.

Puerto Mogan 15

Liegeplätze sind in der Vorbereitungszeit für die Atlantic Rallye or Cruisers (ARC) mit fast 300 teilnehmenden Booten eine Rarität auf Gran Canaria. Auch die Marina von Puerto Mogan ist ausgebucht.

Nach der – wieder einmal – etwas windreicheren Überfahrt von Fuerteventura nach Gran Canaria lecken wir unsere und Florentines Wunden, vor allem Florentines. Eine gerissene Leine der Lazybags ist schnell ersetzt, auch wenn Peter dafür in den Mast muss und das ausgerauschte Fall spleißen muss. Auch ein Zipper für den kaputten Reißverschluss der Lazybags ist beim Segelmacher am Ort erhältlich. Von ihm erfahren wir, dass die Werft in Puerto Mogan, in der wir eigentlich Reparaturen machen lassen wollten, technisch verwaist ist. Der eine Schrauber ist verstorben, der andere hatte einen  Herzinfarkt. Na prima. Dann gehen wir  erst mal die Dinge an, die wir selbst machen können. Die Gasdruckfeder des Rodkickers (das ist das Teil, das den Großbaum daran hindert, herunterzufallen) hat sich nach vier Jahren durchrostet verabschiedet. Wir bestellen eine neue Gasdruckfeder und bauen sie ein. Das war es dann aber auch schon mit den Dingen, die wir selbst erledigen können.

Gasdruckfeder 2

Verrostete Gasdruckfeder aus dem Rodkicker.

Rettungskragen 02

Überraschung beim routinemäßigen Check unserer Sicherheitsausrüstung …

Rettungskragen 03

… Dieser Rettungskragen wurde ausgemustert und umgehend ersetzt.

Unsere To-do-Liste hat mehrere schwerwiegende Punkte. Einen gebrochenen Beschlag am Vorstag können wir nicht selbst reparieren. In Lanzarote wollte einer fürs Schweißen des Flacheisens aus Edelstahl geschlagene 900 €, das war uns dann doch zu viel. Unsere Jungs, denen das Vorstag auf einem Törn nach La Graciosa gebrochen war, haben ein stabiles Provisorium für das kaputte Vorstag geriggt. Und dann ist da noch das Problem mit dem leckenden und schwergängigen Ruderlager.

Gut dass wir Konstantin und Jane kennenlernen. Die beiden leben seit geraumer Zeit auf ihrem Schiff hier in Puerto Mogan, wenn Konstantin nicht gerade in der Weltgeschichte umher jettet, um Triathleten zu trainieren oder selbst an Ironmanwettbewerben teilzunehmen. Außerdem scheint er ein echter Tausendsassa in Schiffswartung und –reparaturen zu sein. Zunächst hilft er uns mit den gebrochenen Brettern unseres Dinghibodens. Viermal haben wir sie aus verschiedenen Materialien ersetzt, alle Ersatzbretter sind ebenfalls gebrochen oder haben sich bei Nässe in Holzbrei verwandelt. Jetzt haben wir Bretter aus Eisenholz, hoffentlich halten sie, was der Name verspricht.

Dingibretter 06

Zuschnitt der neuen Dinghi-Bodenbretter …

Dingibretter 10

… und anschließende Probefahrt.

Peter unternimmt lange und geduldige Fahrten mit dem Dinghi, denn unser Akku vom Torqeedo-Motor hat zuletzt bei 85% Ladekapazität die Grätsche gemacht und sich übergangslos mit null Prozent verabschiedet. Ein Anruf beim Hersteller (Danke an Sohn Jakob!) ergab, dass in der elektronischen Pinne ein kleiner Mann sitzt, der sich merkt, wie wir fahren. Und da wir in der Vergangenheit immer darauf geachtet haben, den Akku möglichst nicht leer zu fahren – ist ja auch doof, wenn man paddeln muss – und den Akku immer bei 100 % Ladung aufbewahrt haben, denkt der kleine Mann nun, bei 86% könne er nun immer Feierabend machen. Man kann ihn aber überlisten, indem man bei geringer Leistung (mit 100 statt max. 500 Watt) mehrmals hintereinander so lange fährt, bis der Akku ganz leer ist. Die Techniker sprechen dabei von einer Neukalibrierung. Diese Kalibrierungsfahrten erledigt Peter vorzugsweise donnerstags und samstags, wenn die Panflötenspieler mittags auf dem Platz vor unserem Liegeplatz ihr Repertoire von sechs Stücken fünfmal hintereinander mit viel Hall und zuckersüßen Verzierungen abnudeln. Panflöte kann ja ganz schön sein, aber spätestens nach der dritten Wiederholung von „Time to say Goodbye“ oder „Dänen lügen nicht“ geht uns das Messer in der Tasche auf. Also ergreift Peter die Flucht aufs Wasser und dreht für zwei Stunden im Dinghi Kreise im und um den Hafen.

Eines Tages erreicht uns eine Mail von Axel und Gisela von der „Roten Grütze“. Die beiden hatten wir im ersten Jahr unserer Reise schon in Portugal kennengelernt und danach immer wieder  getroffen, bis sich im Frühsommer 2015 in der Karibik unsere Wege trennten. Jetzt machen sie einen ausgedehnten Urlaub auf La Gomera und nehmen die Fähre und besuchen uns für ein Wochenende. Was haben wir uns viel zu erzählen, in gemeinsamen Erinnerungen zu schwelgen und viel miteinander zu lachen. Axel als ehemaliger U-Boot-Ingenieur kriecht mit Peter am Bug herum und entwickelt eine neue Lösung für den gebrochenen Püttingbeschlag am Vorstag, fertigt auch gleich noch eine Konstruktionsskizze an. Axel klärt uns auf: Schrauben ist allemal besser als schweißen.

Vorstag Pütting 5

Gebrochenes Pütting am Vorstag

Und kaum sind Axel und Gisela von Bord, holen wir Konstantin und zeigen ihm den skizzierten Reparatur-Vorschlag. Konstantin nimmt die Sache in die Hand, er kennt (fast) alle Handwerker und Firmen in Gran Canaria, lässt ein 15 mm starkes Edelstahlblech mit Plasmaschneider passend anfertigen, flext die Bruchstelle am alten Teil ab, bohrt in stundenlanger Verrenkung Löcher in das Vorstagpütting und in ein paar Tagen kann das neue Blech montiert werden. Und weil er gerade so schön dabei ist, schaut er sich auch unsere Ruderanlage an. Dieses Problem ist noch in Arbeit und es sieht ganz danach aus, dass wir Florentine aus dem Wasser kranen und das komplette Ruder ausbauen müssen.

Ruderreparatur

Schrauber Konstantin und Schipper Peter bei einem Versuch, Florentines Ruderlager von Innen im Achterschiff zu reparieren

Genug mit dem Nerd-Talk, wie unsere Kinder sagen würden. Begegnungen gab es schließlich auch, wie der Titel vermuten lässt.

Als erstes hatten wir Besuch von Kathrins bester Freundin Tschio, die darüber in einem Gast-Ahoi selbst berichten will.

Nach ihrer Abreise wird das Stegleben langsam etwas lebhafter. Wenn in Nordeuropa die Temperaturen in den Keller gehen, treffen hier viele Segler ein, die ihre Schiffe den Sommer über unbemannt in Puerto Mogan liegen lassen. Etliche Schiffseigner nutzen ihre Boote hier nur als schwimmende Winterwohnung und haben den Hafen seit Jahren nicht verlassen. Die meisten neu eintreffenden Segler befinden sich auf Durchreise Richtung Karibik oder kreuzen über den Winter im Kanaren-Archipel. So  auch Rosi und Otwin mit ihrer „Enya“: Die beiden sind seit mehr als einem Jahrzehnt im Mittelmeer unterwegs und haben jetzt mal die Nase auf den Atlantik hinaus gesteckt. Von den beiden bekommen wir viele gute Tipps für Ankerplätze und günstige Häfen an der Algarve und im Mittelmeer. Wir haben viele gemeinsame Segelbekannte stellen wir fest, die Fahrtenseglergemeinde ist doch nicht soo groß.

Auch mit unseren dänischen Bootsnachbarn Benu und Marianne haben wir viel Spaß. Sie verlieren beim Tanken ihren Tankdeckel, wir vermitteln Konstantin als Taucher und stellen unser Dinghi als Tauchbasis zur Verfügung – Grund für den einen oder anderen netten gemeinsamen Abend unter Rotwein und gutem Essen. Die Dänen haben ein Time-Sharing-Modell. Sie besitzen mit vier anderen Paaren gemeinsam das Schiff, jeder kann es umschichtig zweimal einen Monat im Jahr nutzen, Unterhaltskosten werden geteilt. Eine feine Sache, statt das Boot ungenutzt im Wasser liegen zu lassen.

Immer mal wieder stehen auch Landurlauber am Steg, beäugen sehnsüchtig die Boote, erzählen, sie hätten zuhause ja auch ein Schiff und fangen an zu fragen. Daraus ergibt sich manch eine nette Bekanntschaft, so auch mit Burkhard und Manuela aus der Nähe von Hamburg. Burkhard träumt auch vom Langfahrtsegeln. Bei Manuela muss noch ein wenig Überzeugungsarbeit geleistet werden, und beide fragen uns ein Loch in den Bauch. Die  Stunden mit den beiden gehen rasend schnell vorbei, die Chemie stimmt einfach.

Nun warten wir auf unsere Freunde Klaus-Peter und Melanie, mit die häufigsten Gäste hier an Bord und eifrigen Bloglesern sicher schon wohlbekannt. Ende November geht es mit Florentine dann in die Werft nach Pasito Blanco. Wir werden berichten!

Statistik: 21385 sm seit Heeg

Pasito Blanco (Gran Canaria) – Puerto Mogan 10 sm, Hafengeld 21 €, Duschen Note 4

 

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