Die kanarische Krankeit: Mañana

Ja, wo fliegen sie denn…

Lange nichts mehr von uns hören lassen? Gran Canaria ist schuld! Diese Insel lässt einen einfach phlegmatisch werden. Schon in Puerto Mogan ist uns die große Zahl von Schiffen aufgefallen, die von ihren Crews nur noch als schwimmende Gartenlauben genutzt werden und so langsam an ihrem Liegeplatz einwachsen. Auch wir drohten bereits dem allgemeinen Müßiggang zu erliegen. Blog schreiben? Mañana (morgen)!

In der Inselhauptstadt Las Palmas ist es sogar noch dramatischer: Hier lassen abgeschlaffte Yachties ihre Schiffe schläfrigen Auges unter ihrem Hintern verrotten, bis die Eigner sich dann eines Tages endgültig grußlos aus dem Staub machen. So hat sich bereits in einer Hafenecke vor der Capitaneria ein kleiner Schiffsfriedhof gebildet. Weitere verlassene Seelenverkäufer hat die Hafenbehörde außerhalb der Marina an Mooringbojen verholt. Dem unaufhaltsamen Untergang geweiht.

Vor unserem drohenden Untergang haben uns Gott sei Dank gute und treue Freunde bewahrt, die uns mit ihren Besuchen aus der kanarischen Lethargie befreit haben. Klaus-Peter, der mit uns bereits den Atlantik überquert hat, gehört mit seiner Frau Melanie bereits zur erweiterten Florentine-Stammcrew ebenso wie Kathrins (dienst)-älteste Freundin Tschio.

Anstoß mit unseren Freunden Klaus-Peter und Melanie auf Schippers 60. Geburtstag

Kathrin mit Freundin Tschio

Mit unseren Freunden haben wir per Auto ausgiebig die Insel erkundet. Resümee: Mit unserer Hafenwahl in Puerto Mogan haben wir zufällig voll ins Schwarze getroffen. Der Ort ist zwar künstlich touristisch erschlossen worden, aber durchaus attraktiv geraten – was man von den anderen Tourismus-Hochburgen von Puerto Rico bis Playa del Ingles im Inselsüden nicht behaupten kann. Die einzige Ausnahme bildet die eindrucksvolle Dünenlandschaft von Maspalomas – wenn man mal die umgebenden Hotels und monotonen Feriensiedlungen ausblendet. Besonders die Sonnenuntergänge in den Dünen haben es uns angetan.

Blühende Gasse in Puerto Mogan

Warten auf den Sonnenuntergang

Dünenlandschaft in Maspalomas

Picknick in den Dünen mit unseren Freunden Melanie und Klaus-Peter

Dünenlandschaft von Maspalomas

Ausflug mit Tschio

Gefallen haben uns auch die Ausflüge in die gebirgige Inselmitte, die man sich von Süden aus im ersten Gang über enge und steile Haarnadelkurven erarbeiten muss. Einmal oben angekommen belohnt der Blick über Stauseen und tiefe Schluchten und auf bizarre Felsformationen die Anstrengung.

Stausee in den Bergen oberhalb von Mogan

Blick in das Tal von Mogan

Kathrin am Gipfelkreuz in den Bergen Gran Canarias

Blick auf den Roque Nublo, ein Wahrzeichen in den Bergen Gran Canarias in 1803 Meter Höhe

Melanie vor der Kulisse des Ortes Tejeda in der Mitte der Insel

Innerhalb weniger Minuten verschwinden die Berggipfel in den Passatwolken

Historischer Ortskern von Agüimes

Höhlenrestaurant im Barranco de Guayadeque

Die Hauptstadt Las Palmas schafft es nicht auf unsere Bestenliste der sehenswerten Orte auf den Kanaren. Sie ist eine gesichtslose Großstadt, die sich über viele Kilometer erstreckt und die im Verkehr zu ersticken droht. So trennt eine sechsspurige Schnellstraße den Hafen von der City.

Richtig schön finden wir jedoch das Altstadtviertel Vegueta mit seinen Jugendstilfassaden und einer lebendigen Kneipenszene. Die Kneipen erkundet man am besten im Rahmen der „Ruta de las Tapas“. Jeden Donnerstagabend bieten die Kneipen in der Altstadt für rund 3 Euro eine Kleinigkeit zum Essen (Tapas oder Pinchos) und Trinken an. Und so futtert und süffelt man sich (am besten in Begleitung von neuen Freunden, die man im Hafen kennengelernt hat) von Kneipe zu Kneipe und lernt dabei Land und Leute in einer fremden Stadt und in einem fremden Land kennen. Sollte die Ruta de las Tapas ein wenig aus dem Ruder laufen, empfiehlt sich am folgenden Tag eine Alkoholverdunstungsstunde an der Playa de las Canteras, dem Stadtstrand von Las Palmas mit seiner drei Kilometer langen Uferpromende.

Literaturhaus in der Altstadt von Gran Canaria

Kathedrale de Santa Ana

Jugendstilfassaden in Vegueta …

… dem Altstadtviertel von Las Palmas de Gran Canaria

Stimmungsvolle Weihnachtsbeleuchtung in der Altstadt von Las Palmas

Das Kolumbus-Haus, Casa-Museo de Colon

Kellner in „typisch bairischer Tracht“ beim Oktoberfest im Kneipenviertel der Altstadt

Melanie beim Strandspaziergang an der Playa de las Canteras, dem Stadtstrand von Las Palmas

Von der Schwierigkeit, auf den Kanaren einen Liegeplatz für Schiff und Crew zu reservieren, haben wir bereits wiederholt geschrieben (vielleicht mag das ja auch einer der Gründe sein, warum Bootseigner ihre Schiffe auf den Kanaren nicht mehr fortbewegen: Weggegangen – Platz vergangen!). Aus diesem Grund haben wir uns erst im Dezember von Puerto Mogan in den Hafen von Las Palmas verlegt, nachdem die rund 250 teilnehmenden Yachten an der ARC (Atlantic Rallye for Cruisers) die Marina mit Ziel Karibik verlassen hatten. In den Wochen vor dem Start der ARC herrscht im Hafen von Las Palmas der Ausnahmezustand. Ausrüster und Techniker feiern in diesen Tagen Weihnachten und Ostern zusammen und die Liegeplätze sind ausschließlich Regattateilnehmern vorbehalten.

Doch auch als wir im Dezember in Las Palmas eintrafen, dauerte der Liegeplatz-Notstand weiter an. Die Hafenbehörde in Las Palmas nimmt keine Reservierungen an. Frisch ankommende Yachten wie wir, werden zunächst nach draußen auf einen Ankerplatz geschickt. Von dort aus macht man sich mit dem Dinghi in Richtung Hafenbüro auf, um sich auf eine Warteliste setzen zu lassen. Persönliches Erscheinen ist Pflicht! Danach begibt man sich zurück an Bord und wartet ein paar Tage oder eine Woche in ständiger Hörbereitschaft auf Kanal 11 am Funk darauf, das einem ein frei gewordener Liegeplatz zugewiesen wird.

Warum tut man sich das an? Weil die Liegegebühren im Hafen von Las Palmas unschlagbar günstig sind. Sie betragen für Florentines 36 Fuß Länge mit 6,50 €/Tag (inkl. Wasser und Strom) etwa ein Drittel der üblichen Liegegebühren. Außerdem ist Las Palmas ein Treffpunkt für Blauwassersegler aus aller Welt und das Angebot an Ausrüstern und Fachleuten für alle Arten von Reparaturen ist weit und breit einigartig.

Peter beim Befüllen der Fettpresse …

Apropos Reparaturen: Konstantin, unser Mann für Fälle, den wir in Puerto Mogan kennengelernt hatten (s. letztes Ahoi), hat es tatsächlich geschafft unser schwergängiges Ruder wieder geschmeidig zu machen. Ursache für das Ruderproblem war nämlich kein Lagerschaden (wie zunächst laienhaft vermutet), sondern (jetzt wird’s peinlich für den Schipper) mangelnde Pflege durch zu wenig Schmierung. Nun hat Florentine am Ruderschaft einen ordentlichen Schmiernippel für den Anschluss einer Hochleistungsfettpresse, die künftig regelmäßig vom Schipper oder durch eine von ihm beauftragte Person betätigt werden muss.

… und bei einer Segelreparatur

Nichts desto trotz haben wir Florentine bei einem Zwischenstopp auf dem Weg nach Las Palmas in der Marina Pasito Blanco aus dem Wasser kranen lassen. Florentine benötigte dringend einen neuen bewuchshemmenden Unterwasseranstrich und die Opferanoden an Motorwelle und Bugschraube mussten dringend ersetzt werden. Bei dieser Gelegenheit wurde Florentine (von Peter) über und (von Kathrin) unter Wasser auch wieder auf Hochglanz gebracht. Doch in diesem Fall sagt ein Bild mehr als 1000 Worte …

Kathrin und der polierte Propeller strahlen um die Wette.

Immer ein spannender Augenblick: Florentine beim Auskranen in Pasito Blanco

Bewuchs am Bugstrahlruder

Florentine nach der Schönheitskur auf dem Trockenen

Statistik: 21534 sm seit Heeg

Puerto Mogan – Pasito Blanco 10 sm, Hafengeld/Werft 24 €, Duschen Note 1

Pasito Blanco – Las Palmas, 40 sm, Ankergeld 2,67 €, Hafengeld 6,50 €, Duschen Note 3

Las Palmas – Puerto Sardina, 26 sm, Ankerplatz 0 €

Puerto Sardina (Gran Canaria)  – Santa Cruz de Tenerifa, 36 sm, Hafengeld 16,80 €, Duschen Note 2

Werbeanzeigen

Eine Antwort zu “Die kanarische Krankeit: Mañana

  1. Endlich wieder lokale Impressionen von euch ihr Abenteurer. Lieben Dank und ganz liebe Grüße von Susanne und Ulf

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s