Pleiten, Pech und Pannen

Kühlmaschine

Die Kühlmaschine

 

Geht – geht nicht – geht – geht nicht….Das ist normalerweise die TÜV-Prüfung des Blinkers beim Auto. Bei uns ist es seit längerem der Zustand des Kühlschranks. In diesen Breiten nicht wirklich schön, in Deutschland bei den winterlichen Temperaturen wäre das was anderes. Unser Kühlschrank, den wir vor sechs Jahren komplett erneuert haben, der allerdings auch seit fast drei Jahren komplett durchläuft, er muckt. Seit einigen Monaten will er nur noch unter Landstrom oder bei Motorleistung laufen, ansonsten macht er das Spielchen „geht – geht nicht“, er schaltet sich an und ganz schnell wieder aus. In Bonaire hatten wir schon einen Kältetechniker darauf schauen lassen, der füllte ein wenig Gas im Kompressor nach, nahm 60 US $ und ging.

Nun, da wir im gelobten Land von Saint Martin angekommen sind, französisches Staats- und EU-Gebiet, wollten wir es wissen. Im Supermarkt bekam Peter einen Kältetechniker an der Kasse zu fassen, erkennbar an der Aufschrift auf seinem T-Shirt und vereinbarte einen Termin. Zu dem erschien der gute Mann auch, allerdings ohne Werkzeug. Ließ mit Hilfe seines Autoschlüssels eine ganze Menge Gas aus dem Kompressor ab, sagte, nun müsse es funktionieren, wenn nicht, sollten wir uns wieder melden. Nahm 100 – in Worten EINHUNDERT – US $ und entschwand nach zehnminütiger Arbeitszeit. Eine angefangene Arbeitsstunde samt Anfahrt, Handwerk hat auch hier goldenen Boden.

Der Kühlschrank sprang an und lief, mit Landstrom und ohne, nur eins tat er leider nicht mehr: Kühlen. Dazu war wohl doch zu wenig Gas im System. Also schnell eine E-Mail an den Techniker geschickt, auf die er leider erst zwei Tage später reagierte. Bis dahin haben wir unsere französischen Leckereien im Kühlschrank mit großen Beuteln Eis gekühlt. Heute war Sam, der Techniker dann wieder da, es tat ihm auch alles sehr leid, er war superfreundlich, wie auch auf dem Flyer der Firma angekündigt. Er füllte Gas nach und verkaufte uns eine neue Steuereinheit, denn an der könne es auch liegen. Erklärte Peter den Einbau und dass wir das Teil unbedingt in Reserve bräuchten. Das sahen wir ein. Dann ging es ans Zahlen. Das nachgefüllte Gas (das er zwei Tage zuvor abgelassen hatte) belief sich auf 75 US $, die Steuereinheit bekamen wir zum Schnäppchenpreis von 400 US $, angeblich 50 $ billiger, aber immer noch so viel wie eine komplett neue Kühlmaschine. Immerhin berechnete er heute keinen Arbeitslohn. Entschwand und ließ uns mit Schnappatmung zurück. Quittung? Keine. Aber falls noch was wäre, wir sollten uns einfach melden. Das taten wir auch, weil der Kühlschrank wieder seinen Blinkermodus aufgenommen hatte. Wer sich aber nicht sehen ließ: Sam. Also haben wir die Steuereinheit selbst gewechselt. Seit 20 Stunden läuft die Kühlmaschine bereits ohne Aussetzer – und kühlt sogar!

Der Beschlag der Gangway mit aufgelöstem Zapfen

Der Beschlag der Gangway mit aufgelöstem Zapfen

Nächste Baustelle: die Gangway. Wir haben uns wegen Besuch (davon später) und drohenden starken Winden aus Nordost einen Liegeplatz in der Fort-Louis-Marina gegönnt. Hier legt man römisch-katholisch mit dem Heck zum Steg und mit Mooringtonne am Bug an. Da kommt unsere schicke Gangway mal wieder zum Einsatz, die wir sonst meist an den Mast verzurrt spazieren fahren. Die Gangway wird am Heck mit einem Metallzapfen in einer dafür vorgesehenen Halterung befestigt, damit sie nicht abrutscht. Normalerweise. Jetzt nicht mehr, denn der Zapfen samt Befestigung hat sich buchstäblich aufgelöst. Der Zapfen  ist aus Aluminium, die Stange aus Edelstahl, und das ganze wird natürlich immer mal mit Salzwasser geduscht. Diejenigen unter euch, die im Physikunterricht aufgepasst haben, wissen, was dann passiert: Elektrolyse. Zwischen Alu und Stahl fließt schwacher Strom und löst das Alu einfach auf. Wie kann man nur auf die Idee kommen, bei einem Salzwasserfahrzeug diese beiden Metalle in engem Kontakt zu verbauen? Gottseidank gibt es hier sämtliche Gewerke und so haben wir uns einen neuen Zapfen anfertigen lassen, dieses Mal aus Edelstahl.

... jetzt in Edelstahl

…. jetzt in Edelstahl

Und hoffentlich für die Ewigkeit

und hoffentlich für die Ewigkeit

Auch unser AIS-Gerät spinnt, deshalb könnt ihr uns momentan nicht auf Marinetraffic oder Vesselfinder verfolgen. Wir können momentan kein Signal funken. Ursache ist eine BNC-Buchse für den Anschluss der GPS-Antenne (das einzige verbaute Plastik-Billigteil in dem ansonsten solide verarbeiteten Weatherdock-Instrument). Ersatz ist aber bestellt und fliegt mit Jakob und Jana Ende Januar ein, ebenso wie zwei neue Schellen für die Befestigung des Solarmoduls. Die „alten“ Alu-Schellen sind nach drei Jahren einfach so gebrochen.

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Gebrochene Schelle des Solarpaneels

Apropos Aluminium: Auch unser Windgenerator Silentwind und unser Elektromotor von Torqeedo sind aus Aluminium und haben sich im Laufe unserer knapp Jahren auf See in blühende Landschaften verwandelt. Dicke Pocken plustern sich unter dem Anstrich auf – sofern man von Anstrich überhaupt noch sprechen kann. Der Silentwind hat sein Farbenkleid fast gänzlich abgeworfen.

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Der Torqeedo – blasig

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Der Silentwind – nackig

Wo wir gerade schon einmal beim Thema Basteln und Reparieren sind: Im Lattenboden unseres Zodiac-Dinghies haben wir wegen Lattenbruchs verursacht durch Normalgebrauch vier von sechs Brettern ersetzen müssen. Dann hat es außerdem noch einen Fensterbeschlag zerlegt. Hierfür Ersatz zu finden ist eine bislang ungelöste Herausforderung. Eventuell muss das Fenster komplett ersetzt werden. Es wird nie langweilig an Bord.

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Neuer Lattenboden im Dinghi

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gebrochener Fensterbeschlag, dieses Luk wird momentan nicht geöffnet

Was sonst noch war? Besuch war da, wenn auch nur für einen halben Tag. Peters Bruder Rüdiger war mit seiner Frau Heike auf Karibikkreuzfahrt und so hatten wir uns auf Saint Martin/Sint Maarten verabredet. Peter holte die beiden mit ihren Freunden Taner und Sybille in Phillipsburg an der AIDA  MAR ab und brachte sie an Bord. Schön, mal wieder Dortmunder Slang zu hören, wir hatten eine Menge Spaß miteinander. Damit der Besuch nicht nur im Cockpit sitzen musste, lud Peter Taner, Rüdiger und Heike ins Dinghi und machte mit ihnen eine Spazierfahrt durch die Bucht und in die angrenzende Lagune. Alle bekamen einen nassen Hintern, Taner ging unfreiwillig baden und auf der Rückfahrt machte der Akku unseres Elektromotors etwa 500 m vor der Hafeneinfahrt schlapp. Unter gutem Zureden und in Schleichfahrt schafften es die vier gerade so bis in den Hafen. Die Paddel, die für solche Notfälle im Dinghi liegen sollten, waren wo? Natürlich an Bord von Florentine.

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Rüdiger und Peter im Dinghi

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Da lachen sie noch alle vier

Ansonsten geht es uns aber gut, wir genießen den Aufenthalt in „Frankreich“ und vor allem die günstigen und guten Einkaufsmöglichkeiten, schwelgen in frischem Baguette, Brie und Patè und gutem Wein. Leben wie Gott in Frankreich!

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Wir haben eine segelnde Friseurin kennengelernt: Susanne von der „ThatsLife“

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Sie hat Peter mal eben auf dem Vorschiff einen neuen Kopf verpasst, jetzt kann er wieder unter Leute

Statistik:

Virgin Gorda (BVI) – Marigot (Saint Martin), 74 sm, Hafengeld 36 €, Duschen Note 4 (2 € / 5 Minuten)

Strecke: 15660 Seemeilen

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5 Antworten zu “Pleiten, Pech und Pannen

  1. Alles wird gut. 2 0 1 7 . Das beste Jahr zurzeit. Wir wünschen euch von ganzem Herzen alles Liebe und Gute auf eurem galaktisch fantastischen Segeltörn. Susanne & Ulf

  2. Hallo ihr Beiden! Eure Fehlerbeschreibung zum Kühlschrank ist gut! An den hätte kein Kühltechniker dran gedurft sondern ein Elektriker! Der Kühlschrank schaltet bei Unterspannung ab, um eine Tiefentladung der Batterien zu verhindern. Ihr habt einen Spannungsverlust in den Stromzuleitungen. Beide (+ und -) überprüfen, da ist der normale Gammel drin….
    Gruß Alfons von der Murada.
    Wenn ihr länger in den BVIs bleibt, kommt euer Elektriker… Wir wollen dieses Jahr auch noch dahin.

    • Wie lange müssen wir in den BVIs trödeln, um euch zu treffen? Wahlweise auch Saint Martin, da kommen wir auch immer wieder hin. Momentan sind wir auf Anguilla und der Kühlschrank läuft! Liebe Grüße von den Florentinern

  3. Ihr Lieben draußen auf See! Ja, beileibe von Langeweile keine Spur…aber auch an Land ist es aufregend genug! Wir sind in unsere nächste Saison gestartet und lassen die Kraniche der Hoffnung fliegen! Beste Grüße aus Essen an Euch, Eure Sagos

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