Von den Azoren zu den Kanaren

An die Steilwand geklebt

Oft haben wir in den letzten drei Jahren eher zu viel als zu wenig Wind gehabt und uns nach Flaute gesehnt. Jetzt nicht mehr. Wir haben auch die Flaute hassen gelernt. Unser Start von Santa Maria am 27.7. bescherte uns erst mal zum Einstieg für zwölf Stunden perfektes Am-Wind-Segeln, dann schlief der Wind vorhersagegemäß ein. Das wussten wir, uns war klar, dass wir für etwa ein bis zwei Tage ein Flautenband durchqueren mussten, also Nanni gestartet und los.

Florentines zerfetztes Großsegel

Leider entschloss sich das Flautenband zu einer Vergrößerung und vor allem haben wir ihm so gut gefallen, dass es mit uns nach Südosten reiste. In den nächsten Tagen lief der Motor gut zwei Drittel der Zeit, den Rest konnten wir segeln. Erschwert wurde das ganze durch die Tatsache, dass wir nur noch mit der Fock reisen konnten. Das Großsegel, das wir während der Motorfahrt mitschiffs dichtgeholt als Stützsegel stehen hatten, verabschiedete sich mit einem kapitalen Riss am oberen Ende zwischen erster und zweiter Segellatte. Anderen Leuten  reisst das Segel im Sturm, uns bei totaler Flaute… Aber das Groß ist auch schon alt und mürbe. Wahrscheinlich ist es nicht mehr reparabel. Peter holt schon Angebote für ein neues ein.

So waren wir langsam und brauchten einen Tag länger als geplant bis la Palma.

Beim Einlaufen nach Tazacorte

Die Marina in Tazacorte ist ein in Beton gegossener Traum. Riesige Wellenbrecher, Parkplätze für hunderte von Autos – völlig leer. Das Marinaleben ist ruhig und angenehm, zum Einkaufen und Brötchenholen sind es etwa eineinhalb Kilometer, mit unserem letzten verbliebenen rostigen Bordfahrrad ein Klacks. Das zweite Fahrrad hatte schon in der Karibik seinen Geist aufgegeben, zu viel Salz mögen die Räder einfach nicht.

Der gigantische Wellenbrecher wird durch Rundbögen verstärkt.

In Tazacorte könnten gigantische Fähren abgefertigt werden – falls sich mal eine hierher verirrt. Platz steht ausreichend zur Verfügung.

Kathrin träumt bereits vom neuen Großsegel.

Der schwarze Strand von Tazacorte

Nachdem wir das Schiff entsalzt, geputzt und entrostet haben und uns ausgeschlafen haben, erkunden wir die Insel. Haben wir schon mal erwähnt, dass wir begeisterte Linienbusfahrer sind? Auf La Palma gibt es drei Routen, eine südliche, eine nördliche und eine mittendurch. Die nehmen wir als erste zur Hauptstadt Santa Cruz, die genau auf der anderen Seite der Insel liegt. Ein Tunnel macht die Reise schnell, denn La Palma ist ausgesprochen gebirgig und zerklüftet, der höchste Berg hat stattliche 2000 Meter. Santa Cruz ist ein nettes Städtchen mit vielen schönen Häusern und Balkons. Die dortige Marina, über die wir schon nichts Gutes gelesen hatten, gefiel uns allerdings überhaupt nicht. Was sind wir froh über unseren ruhigen Liegeplatz in Tazacorte.

Platz in der Altstadt von Santa Cruz de la Palma

Balkon in der Altstadt von Santa Cruz de la Palma

Fußgängerzone in Santa Cruz de la Palma

Fensterschmuck

Altstadt von Santa Cruz de la Palma

Ein Balkon …

… und noch ein paar Balkone – weil es einfach schnuckelig aussieht.

Platz in der Altstadt von Santa Cruz de la Palma

Der Balkon hängt schon mal. Jetzt fehlt nur noch ein Stück vom Haus.

Für die Rückfahrt hatte Peter sich statt der etwa einstündigen Hinfahrt die vierstündige Nordtour gewünscht. Sightseeing. Der Busfahrer zog schon mal die Augenbrauen unter den Haaransatz, als wir ihm unser Ziel nannten. Gibt es wohl auch nicht oft. Und es stellte sich heraus, dass wir die Adventure-Tour gebucht haben. Die Straße wird bald einspurig und mäandert in etwa 500 bis 700 Metern Höhe an der Steilküste entlang. Bananenplantagen, Kakteen, Palmen, weiter oben Pinienwälder und jede Menge Schluchten.

Viele Bananen werden auf La Palma jetzt in Foliengewächshäusern gezogen. Das mag wirtschaftlicher sein – schöner ist es aber auf keinen Fall.

Blick beim Einlaufen auf Puerto Tazacorte

Die Mini-Dörfer sind an die Steilhänge geklebt wir Schwalbennester. Nichts für Menschen mit Höhenangst. Nach zwei Stunden müssen wir aus dem großen Bus aus- und in einen Kleinbus umsteigen. Kurz danach verstehen wir auch, warum, Sogar der Kleinbus hat Mühe, die schmalen und halsbrecherisch steilen Sträßchen in den Dörfern zu befahren. Spannend wird es, wenn einem dann in einer Kurve noch ein Auto entgegenkommt. Oder wenn einer so geparkt hat, dass das Vorbeikommen nicht so ganz sicher ist. Aber dann steigt eben einer der Mitfahrer aus und winkt den Busfahrer am Hindernis vorbei. Überhaupt, die Mitfahrer: Man kennt sich untereinander, Dorfklatsch wird ausgetauscht, zwei Teenager mit Zahnspange kichern, ältere Frauen schleppen volle Einkaufstaschen, eine Mutter ist mit der mauligen Tochter im Vorschulalter beschäftigt. Deren Laune bessert sich sofort, als Manolo einsteigt, Alter 70 plus, klapperdürr, Zahnstatus eher löcherig und ein Herz aus purem Gold. Das maulige Töchterchen übt schon mal das Flirten, ach was heißt übt, sie ist Profi. Die Mama entspannt sich und wir mittendrin. Das fröhliche Treiben im Bus ist genauso spannend wie die überwältigende Natur draußen. Die vier Stunden vergehen fast wie im Flug und wenn uns nicht vor Durst die Zunge am Gaumen geklebt hätte, wären wir auch noch weitergefahren. Eine wunderbare und billige Alternative zum Automieten. Für insgesamt 4,50 € pro Person sind wir einen ganzen Tag Bus gefahren. Und bei den Strecken mit steilen und unübersichtlichen Kurven macht das Autofahren auch nicht wirklich Spaß.

Wenn der Wind es zulässt, wollen wir am Wochenende weiter nach Osten, Ziel ist Teneriffa.

Statistik:

Vila do Porto /Santa Maria – Tazacorte/ La Palma, 654 sm, Hafengeld wissen wir noch nicht, wird nachgereicht, Duschen Note 1

Statistik: 20307 sm seit Heeg

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2 Antworten zu “Von den Azoren zu den Kanaren

  1. Welcome back home in Europe. Eure tollen spannenden wunderbaren Texte und Fotos sind absolut druckreif. Selbst für ein Landei.

  2. Da bekommt man wieder Lust zu reisen . Wunderschöner Artikel, weiter so. Und das mit dem Segel: besser in der Flaute als bei heftig Hack und mächtig Wind. So gewinnt man allen unangehmen Seiten noch was positives ab.

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